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Wie ich Claude Code Prinzipien auf Marketing angewandt habe

Benedikt Martinez Rodriguez
6 Min. Lesezeit
Künstliche IntelligenzAI AgentsMarketingClaude Code

Vor ein paar Wochen schrieb ich darüber, warum ich KI-Agenten-Teams baue. Heute will ich konkret zeigen, wie ich dabei vorgegangen bin - und warum der Prozess überraschend vertraut war.

Die Erkenntnis: Alles, was ich aus 10 Jahren Software-Engineering über Team-Aufbau gelernt habe, gilt auch hier.

Das Problem: Marketing ohne Marketing-Team

Als Solo-Consultant kenne ich das Dilemma: Du weißt, dass Marketing wichtig ist. Du weißt, dass du mehr Content produzieren, deine Positionierung schärfen und systematischer an Sichtbarkeit arbeiten solltest.

Aber wer macht es? Du bist gleichzeitig Entwickler, Berater, Vertrieb - und nebenbei auch noch CMO.

Die klassischen Optionen - eine Agentur beauftragen oder jemanden einstellen - waren für mich keine Lösung. Zu teuer, zu wenig Kontrolle, zu wenig Verständnis für die Nuancen meiner Positionierung.

Also habe ich gemacht, was ich am besten kann: Ein Team gebaut. Nur diesmal nicht aus Menschen.

Der Ansatz: Claude Code als Framework

Claude Code ist Anthropics CLI-Tool für Claude. Was viele nicht wissen: Es unterstützt Custom Agents - spezialisierte Assistenten mit eigenen System-Prompts, eigenen Tools und eigenen Rollen.

Und hier kam mir ein Gedanke: Was wäre, wenn ich dieselben Prinzipien anwende, die ich beim Aufbau von Engineering-Teams nutze?

  • Klare Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Definierte Schnittstellen zwischen Team-Mitgliedern
  • Ein Orchestrator, der das Zusammenspiel koordiniert
  • Kontext, den alle teilen und verstehen

Schritt 1: Den CMO als Orchestrator einrichten

Mein erster Agent war der wichtigste: Ein virtueller Chief Marketing Officer.

Ich habe Claude gebeten, einen System-Prompt zu schreiben für einen CMO, der sich auf Solo-Consultants und Freelancer im deutschen Tech-Markt spezialisiert. Das Ergebnis war überraschend durchdacht:

Du bist ein erfahrener Chief Marketing Officer, spezialisiert auf
Solo-Consultants und Freelancer im Technologie-Sektor. Dein Fokus
ist der deutsche/DACH-Markt, wo du tiefgreifende Expertise in
B2B-Kundenakquise, Personal Branding und der Umwandlung von
professioneller Sichtbarkeit in Beratungsmandate hast.

Der CMO bekam klare Verantwortlichkeiten:

  • Strategie setzen - Die übergeordnete Richtung für Kundenakquise und Sichtbarkeit definieren
  • Positionierung schärfen - Differenzierung im Wettbewerb
  • Kanäle priorisieren - Fokus auf die höchstwirksamsten Aktivitäten
  • Spezialisten orchestrieren - Aufgaben an spezialisierte Agenten delegieren

Was ich besonders schätze: Der CMO kennt die Nuancen des deutschen Marktes. Er weiß, dass B2B-Entscheidungen in Deutschland auf Vertrauen und Beziehungen basieren, nicht auf aggressiver Akquise. Er versteht, dass Deutsche Expertise und Track Record schätzen.

Schritt 2: Den CMO fragen, wen er einstellen würde

Hier wurde es interessant. Statt selbst zu überlegen, welche Rollen ich brauche, fragte ich meinen neuen CMO:

"Welche Rollen würdest du in deinem Team besetzen wollen, gegeben meinen Kontext als Fractional CTO und Tech Lead Consultant?"

Die Antwort war strukturiert und pragmatisch:

  1. Brand Designer - Für Markenidentität, Messaging-Frameworks und visuelle Konsistenz
  2. SEO-Spezialist - Für Sichtbarkeit in klassischen Suchmaschinen
  3. GEO-Spezialist - Für Sichtbarkeit in AI-Suchmaschinen (ein oft übersehener Bereich)
  4. German Tech Blog Advisor - Für Content-Validierung vor Veröffentlichung

Jede Rolle hatte einen klaren Zweck. Keine Überschneidungen, keine Lücken.

Schritt 3: Spezialisierte Agenten anlegen

Für jeden Spezialisten ließ ich Claude erneut den System-Prompt schreiben. Das Ergebnis: Agenten mit tiefem Domänenwissen.

Der Brand Designer zum Beispiel versteht nicht nur Markenentwicklung, sondern weiß auch:

Differenzierung durch Spezifität: "Marketing-Berater" ist vergessbar;
"Revenue Architect für B2B SaaS Gründer" bleibt hängen.

Der German Tech Blog Advisor prüft jeden meiner Blog-Posts auf:

  • Passung für den deutschen Tech-Markt
  • Karriere-Risiken (könnte dieser Post mir schaden?)
  • Positionierungs-Konsistenz
  • Substanz und Tiefe (Deutsche schätzen Gründlichkeit)

Was mir gefällt: Der Advisor warnt mich explizit vor "Hot Takes ohne Substanz" - etwas, das in der deutschen Tech-Community schnell die Reputation beschädigen kann.

Schritt 4: Kontext hinzufügen

Ein Team ohne geteiltes Wissen ist kein Team. Also fragte ich meinen CMO:

"Welche Informationen braucht dein Team, um effektiv arbeiten zu können?"

Die Antwort führte zu einer strukturierten Kontext-Dokumentation:

  • Meine aktuelle Positionierung und Zielgruppe
  • Bestehende Content-Strategie und -Themen
  • Wettbewerbslandschaft
  • Bisherige Marketing-Aktivitäten und deren Ergebnisse
  • Kurz- und langfristige Ziele

Dieser Kontext wird jetzt automatisch allen Agenten mitgegeben. Sie verstehen, wer ich bin, wen ich erreichen will, und was bereits versucht wurde.

Schritt 5: Tools verbinden

Der letzte Schritt: Jeden Agenten mit den richtigen Tools ausstatten.

  • Der SEO-Spezialist kann auf die Google Search Console zugreifen und Performance-Daten analysieren
  • Der Brand Designer kann die Website lesen und Konsistenz prüfen
  • Der CMO kann alle Spezialisten delegieren und deren Arbeit koordinieren

Das Ergebnis: Ein Team, das nicht nur beraten, sondern auch handeln kann.

Was das Team jetzt für mich macht

Seit ich dieses Setup habe, hat sich meine Marketing-Arbeit fundamental verändert. Konkret: Mein Content-Output hat sich verdreifacht - bei gleichbleibendem Zeitaufwand. Blog-Posts, die früher einen halben Tag verschlungen haben, entstehen jetzt in zwei Stunden.

Strategische Beratung auf Abruf: Wenn ich unsicher bin, welchen Kanal ich priorisieren soll, frage ich meinen CMO. Die Antwort berücksichtigt den deutschen Markt, meine Positionierung und meine begrenzten Ressourcen als Solo-Consultant.

Content-Validierung vor Veröffentlichung: Jeder Blog-Post geht durch den German Tech Blog Advisor. Er prüft nicht nur Qualität, sondern auch Karriere-Risiken und Markt-Passung.

Positionierungs-Arbeit: Der Brand Designer hilft bei Taglines, LinkedIn-Bios und Messaging-Frameworks - immer mit dem Ziel, authentisch zu differenzieren.

SEO und GEO ohne Expertenwissen: Die Spezialisten analysieren meine Website und geben konkrete Optimierungsvorschläge - für klassische Suchmaschinen und für AI-Übersichten.

Was nicht funktioniert hat

Ein wichtiger Punkt: Die erste Version war kein Erfolg. Mein initialer Ansatz - ein einzelner "Marketing-Agent" mit breitem Aufgabenbereich - lieferte generische, oberflächliche Ergebnisse. Erst als ich die Rollen aufteilte und jedem Agenten tiefe Spezialisierung gab, wurde das System brauchbar.

Genau wie bei menschlichen Teams: Ein "Full-Stack-Marketer" liefert andere Ergebnisse als ein Team aus Spezialisten mit klaren Verantwortlichkeiten.

Die überraschende Erkenntnis

Was mich am meisten überrascht hat: Der Prozess fühlte sich an wie normales Team-Building.

Ich habe einen Lead eingestellt (den CMO), ihn gefragt, wen er braucht, die Rollen besetzt, Onboarding gemacht (Kontext hinzugefügt) und die richtigen Tools bereitgestellt.

Die gleichen Prinzipien, die ich bei Engineering-Teams anwende:

  • Klare Verantwortlichkeiten verhindern Überschneidungen und Lücken
  • Definierte Schnittstellen ermöglichen saubere Übergaben
  • Geteilter Kontext macht unabhängige Arbeit möglich
  • Der richtige Lead orchestriert das Zusammenspiel

Der einzige Unterschied: Statt Menschen trainiere ich System-Prompts. Statt Meetings gibt es Orchestrierungs-Logik. Statt Onboarding-Wochen gibt es Kontext-Dokumente.

Für wen ist das interessant?

Dieser Ansatz eignet sich besonders für:

  • Solo-Consultants und Freelancer, die Marketing-Kapazität brauchen, aber kein Team haben
  • Tech Leads, die strukturiert an ihre Personal Brand herangehen wollen
  • Unternehmer, die AI-Agenten strategisch statt als Spielerei einsetzen wollen

Du musst kein AI-Experte sein. Die Grundprinzipien sind dieselben wie beim Team-Building - nur das Medium ist anders.

Nächster Schritt

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Ich bin Benedikt Martinez Rodriguez, Fractional CTO und Team Builder. Ich helfe Unternehmen dabei, leistungsstarke Teams aufzubauen - menschliche und KI-basierte. Mehr über mich →

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